Original Evolèner Vieh Zucht Genossenschaft OEZG


Das Nomadenleben in Ammern

Obwohl die Evolèner Kühe in Ammern während der Wintermonate täglich vier Stunden Auslauf geniessen, können sie es kaum erwarten endlich auf die grünen Weiden zu gelangen. Doch die Vegetation ist im Goms erst ab Anfang Mai soweit, dass der Weidegang Sinn macht.  Da auch im Mai noch mit grösseren Schneemengen gerechnet werden muss, ist es von Vorteil, wenn der schützende Stall und Heu in der Nähe sind. Vor dem ersten Weidegang wird jeder Kuh ihre Glocke umgehängt. Die Grösse der Glocke hängt von der Hierarchie der Kühe ab. Die Leitkuh erhält die Grösste Glocke. Wird der Zuordnung der Kuhglocken zu wenig Beachtung geschenkt, gibt es ein unheimliches Durcheinander und es kommt zu wilden Kämpfen unter den Tieren. Der Tag des ersten Weideganges im Frühling ist ein Erlebnis für alle Beteiligten. Die Kühe bekunden ihre Freude durch wildes Herum rennen mit erhobenem Schwanz (bisä). Anschliessend wird die Rangordnung neu festgelegt. Alle kämpfen gegeneinander, bis die Hierarchie feststeht. Doch selten ist diese mit einem einzigen Kampf festgelegt, weshalb es während der Sommermonate immer wieder zu Reibereien kommt. Die Leitkuh beobachtet die Kämpfe und greift auch manchmal in das Treiben ein. Mehrheitlich ist der beste Platz auf der Weide der Leitkuh vorbehalten und sie leitet die Herde zum Wasser und zu den saftigen Gräsern.

Anfang Juni sind die Weiden in Ammern abgegrast. Die lange Wanderung auf die Voralp steht bevor. Am Morgen nach dem Melken wird die Herde zusammengetrieben. Auf der Strecke von Ammern nach Blitzingen muss darauf geachtet werden, dass die Herde nicht durchbrennt, da die Freude über den bevorstehenden Ortswechsel gross ist. Der nächste heikle Punkt ist das Traversieren des Bahngeleises . Einmal den Rottenweg im Talgrund erreicht, folgen die Tiere ihrem Meister in ruhigem Trab und die Nachtreiber sind kaum gefordert. In Reckingen steigt der Weg an und nach zehn Kilometer Marsch erreicht der Umzug sein Ziel, die „Bale-Bine“ oberhalb von Münster. Die Tiere sind nach dieser Wanderung müde, vor allem die Kälber. Doch schon nach einer kurzen Pause wird das neue Weidegebiet erkundet. Die Voralpe wird im Gommer-Dialekt Üsfahrt genannt. In der übrigen Deutschschweiz spricht man vom Maiensäss. Die Voralpe verfügt über eine Käsehütte mit Schlafgelegenheit und einen Stall. Die Bale-Bine wird Zurzeit saniert, deshalb wird die Milch in Ammern verkäst. Nach Abschluss der Renovation, voraussichtlich im nächsten Jahr, wird Helmut wie seine Vorfahren den Juni mit der Herde in der Bale-Bine verbringen.

Sommer

Je nach Vegetationsfortschritt erfolgt die Alpauffahrt zwischen Anfang und Mitte Juli. Bis vor etwa dreissig Jahren verbrachten die Kühe und die Jungtiere den Alpsommer gemeinsam. Aus administrativen Gründen werden die Milchkühe und die Rinder nun getrennt. Für die Kühe folgt ein acht Kilometer langer Marsch von Münster ins Äginetal beim Nufenenpass. Teils ist der Weg nur auf der Passstrasse zu bewältigen. Rücksichtslose Töff- und Autofahrer verwandeln den Alpauftrieb oft zum Spiessrutenlauf. Die Rinder erwartet der gemächliche Aufstieg ins Merezenbach. Dieses südlich gelegene Seitental zwischen Münster und Geschinen wird nun ihre Heimat für die nächsten drei Monate. Die untersten Weidegebiete befinden sich auf circa 1800 m.ü.M. Die Alphirten führen die Herde in immer höher gelegenere Stafel, bis Mitte August der höchste Punkt von 2400 m.ü.M. erreicht ist. In diesen Höhenlagen kann frühzeitig Schnee fallen und unverhofft muss die Herde frühzeitig in tiefere Lagen gebracht werden. Das Leben auf der Alp ist sowohl für die Hirten, wie auch für die Tiere oft rau. Jederzeit muss mit garstigem Wetter, heftigen Gewittern oder Steinschlag gerechnet werden. Die Tiere sind in den steilen Weiden mit den würzigen Kräutern absturzgefährdet. Hirte und Bauern sind froh, wenn nach dem Alpsommer die Tiere gesund wieder ins Tal kehren.

Herbst

Mitte September endet der Alpsommer und die Evolèner verbringen die Tage bis Jagd ende bei befreundeten Bauern in Münster. Ende September erfolgt der Gang zurück nach Ammern. Nun ist freier Weidegang. Alle im Sommer abgeernteten Wiesen werden als Weiden genutzt. Die Kühe sind kurz vor dem abkalben und werden bereits seit Ende August nicht mehr gemolken. Sie geniessen die letzten schönen Herbsttage. Es kann vorkommen, dass die ersten Kälber im Freien geboren werden.

Winter

Magisch lockt es die Kühe im Frühling auf die Weide, ebenso zieht es sie beim ersten Schnee in den Stall an ihren angestammten Platz, ihr Zuhause für die nächsten 6 Monate. .Die eingefetteten und reparierten Kuhglocken werden versorgt. Die Tiere geniessen die Wärme des Stalls und füllen sich den Bauch mit dem nahrhaften Ammern Heu. Ende Jahr werden die letzten Kälber geboren. Um der Inzucht vorzubeugen wird im Februar ein genetisch wenig präsenter Evolèner Stier eingesetzt. Langsam werden die Tage wieder länger und mit dem Einzug des Frühlings beginnt ein neuer Jahreszyklus.

Rangordnung

Rangordnungskämpfe innerhalb der Herde finden vor allem im Frühling statt.

Angepasst

Die Tiere sind berggängig

Herdentiere